Ein Gespräch mit Darius und Levi
Das sind ein Paar Fragen an Levi Fuchs und Darius Herrmann, die junge Musiker des Eröffnungs-Liederabends am 17 Oktober 2026 im Schloss Krobnitz.

Wie und wann habt ihr euch kennengelernt?
Levi: Das erste Mal kennengelernt haben wir uns in der 11. Klasse am Sächsischen
Landesgymnasium für Musik in Dresden. Wir waren beide die einzigen neuen in der Klasse
gewesen. Ich vermute das ist etwas, was uns damals sehr verbunden hat. Damit gab es
schon mal eine sehr entscheidende Gemeinsamkeit. Ich kannte seinen kleineren Bruder
bereits durch meinen damaligen Klavierlehrer und obwohl ich eigentlich nicht der
Gesprächigste war, habe ich ihn nach der ersten Unterrichtsstunde gleich darauf
angesprochen. Der Rest hat sich dann alles mit der Zeit ergeben.
Was bedeutet für euch die Arbeit im Duo? War das Zufall oder gibt es Eigenschaften,
die der eine am anderen so schätzt, dass ihr weiterhin zusammenarbeiten möchtet?
Gibt es Pläne für bestimmte Musik, die ihr gemeinsam einstudieren wollt? Pläne für
künftige Konzerte oder weitere Wettbewerbe?
Darius: Gemeinsam mit einem engen Freund auf hohem Niveau Musik zu machen, ist für mich
ein echtes Privileg. Zwischen Levi und mir stimmte von Beginn an eine musikalische
Chemie, die man nicht künstlich herstellen kann: Wir reagieren auf der Bühne innerhalb von
Millisekunden aufeinander und spüren instinktiv, welche Phrasierung oder klangliche Nuance
der andere im nächsten Moment sucht. Wenn man eine solche Vertrautheit teilt, verwandelt
sich selbst intensive Probenarbeit in reine Freude am Ausprobieren. Für die Zukunft planen
wir fest, unser Repertoire als festes Duo kontinuierlich zu vertiefen und künftig gemeinsam
Konzerte und Wettbewerbe zu bestreiten. Aktuell arbeiten wir intensiv an Schuberts
Winterreise – ein monumentaler Zyklus, der uns als Duo sowohl musikalisch als auch
menschlich enorm fordert und zusammenschweißt.
Levi, was schätzt du an Darius am meisten?
Levi: Boah… schwierig. Es gibt so viel, aber was am meisten? Womit er mich am meisten
beeinflusst hat und was ich an ihm unglaublich schätze, ist sein Mut und seine Offenheit,
Herausforderungen ohne Zögern anzugehen, neue Dinge auszuprobieren und - etwas, das
ich eigentlich gar nicht leiden kann - Veränderungen nahezu hinterherzujagen (übertrieben
gesagt, so schlimm ist es bei ihm dann nun auch wieder nicht). Durch ihn habe ich viele,
sehr viele neue Dinge ausprobiert und gelernt, die inzwischen leidenschaftliche Hobbys für
mich geworden sind und mein Leben völlig zum Positiven verändert haben.
Das, was ich an ihm in letzter Zeit wohl am meisten schätze, ist seine Bereitschaft, in
ernsthaft schweren Momenten des Gegenübers durchweg präsent zu sein, ohne sich
gleichzeitig völlig in diese Welt hineinziehen zu lassen. Eine unfassbar wertvolle Eigenschaft
eines wirklich guten Freundes!
Auf musikalischer Ebene braucht man einfach nur seine Stimme hören und weiß, was man
an ihm zu schätzen hat. Es Bedarf unglaublich ernsthafter Arbeit und Geduld, solch eine
gewaltige und zugleich unfassbar flexible Stimme zu entwickeln wie er sie hat. Wie er sich
gesanglich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist kaum zu glauben - das motiviert mich
natürlich auch in meiner eigenen Arbeit am Klavier.
Darius, was schätzt du an Levi am meisten?
Darius: An Levi beeindruckt mich vor allem seine enorme Musikalität und eine mitreißende
Hingabe, die sofort ansteckend wirkt. Wenn ihn ein Stück oder eine Idee packt, gibt es kein
Halten mehr; er feilt an einer einzigen Phrase so lange mit akribischer Geduld, bis sie exakt
seinem klanglichen Ideal entspricht. Auf menschlicher Ebene schätze ich seine
Feinfühligkeit und seinen Humor, durch den auch anstrengende Probentage immer heiter
bleiben. Zudem besitzt er ein außergewöhnliches Organisationstalent. Er ist extrem
strukturiert und weiß in intensiven Arbeitsphasen meist schon zwei Mahlzeiten im Voraus,
was auf den Tisch kommt.
Ihr seid sehr jung, habt aber schon sehr früh mit der Musik angefangen. Wie war die
Geschichte, wie fing alles an? Waren es die Eltern, die euch zur Musik gebracht
haben, oder etwas in euch selbst, und die Familie hatte eigentlich nicht so viel mit
Musik zu tun?
Levi: Meine Familie hat mit Musik tatsächlich nicht sehr viel am Hut - zumindest nicht auf
professioneller Ebene. Alle meine Geschwister machen beruflich etwas völlig anderes. So
ging es für mich eben in die Richtung Musik. Durch die Kirche haben wir trotzdem viel
gesungen und meine beiden Eltern haben oft als Laien den Gemeindegesang auf der Orgel
begleitet. Meine Schwester hat 6 Jahre lang Klavierunterricht gehabt. Durch den
Gemeindechor habe ich früh, bereits mit 5, begonnen, nicht nur für mich sondern auch in
einem Ensemble zu singen. Mit 9 Jahren bekam ich dann das erste Mal Klavierunterricht
und war offensichtlich fasziniert genug für das Instrument.
Darius: Der Funke sprang bei mir maßgeblich durch meinen Vater über, der als begeisterter
Hobbymusiker Violine, Klavier und Orgel spielt. Bei uns zu Hause und auf Autofahrten lief
eigentlich immer klassische Musik, und die Bachkantate am Sonntagmorgen gehörte fest zur
Familienroutine. Er legte mir mit vier Jahren auch die Geige in die Hände. Weil ich allerdings
den ganzen Tag unentwegt Kinderlieder vor mich hinträllerte, wurde meinen Eltern schnell
klar, wohin die Reise wirklich ging. Sie meldeten mich erst in einem Kirchenchor an, und
kurz darauf durfte ich im Kinderchor am Staatstheater am Gärtnerplatz singen, wo mich die
Magie der Bühne endgültig gefangen nahm.
Photo-Gallery mit Levi und Darius
Was hat die Musik euch Gutes in eurem Leben gebracht? Würdet ihr die
Beschäftigung mit klassischer Musik und dem Gesang anderen Jugendlichen
empfehlen, und warum?
Darius: Die Musik hat mein Leben in jeder Hinsicht bereichert, weshalb ich Jugendlichen diese
Welt von Herzen empfehle. Es gibt für mich kaum etwas Erfüllenderes, als das Publikum
emotional zu berühren und Menschen ein Lächeln zu schenken. Das motiviert mich täglich
dazu, diszipliniert an mir zu arbeiten. Die klassische Stimme besitzt dabei eine ganz eigene
Faszination: Der Moment, in dem man ohne Mikrofon allein durch Körperspannung und
Atemtechnik einen ganzen Saal bis in die letzte Reihe füllt und hunderte Zuhörer erreicht, ist
pures Gänsehautgefühl.
Levi: Ich glaube ich bin mir noch gar nicht ganz bewusst, WIE VIEL Gutes die Musik mir
eigentlich im Leben gebracht hat, bringt und noch bringen wird. Sie hat mir emotional und
intellektuell glaube ich viel mehr Türen geöffnet, als ich denke. Und sie gab in
erschütternden Momenten immernoch zumindest einen Halt. Das schöne ist, dass Musik so
viele Facetten - Epochen, Genres, Stile - hat. Mein Appell wäre einfach: Hört nicht nur
Musik, probiert sie auch aus - macht sie selbst! Und der nächste Appell geht eher an die
Eltern und Pädagogen: Fordert keine bestimmte Musik ein und setzt sie durch Erwartungen
unter Druck, sondern fördert sie, indem ihr ihnen so oft es geht interessiert zuhört bei dem,
was sie an ihrem Instrument ausprobieren.
Wie ist das Studium in Berlin, Darius? Was gefällt dir am meisten und wie findest du
die Zusammenarbeit mit deinem Lehrer? Gibt es gute Mentoren, fühlst du dich gut
aufgehoben?
Darius: Das Studium in Berlin bietet ein ungemein inspirierendes Umfeld, weil die Stadt mit ihren drei Opernhäusern und unzähligen Konzertstätten eine unvergleichliche Dichte an
künstlerischen Impulsen bereithält. In Roman Trekel habe ich einen herausragenden Lehrer
gefunden, bei dem ich mich gesanglich wie menschlich bestens aufgehoben fühle. Gerade
im Liedgesang ist seine Erfahrung als Interpret von unschätzbarem Wert für mich. Er lässt
mir die nötige künstlerische Freiheit und fordert mich gezielt heraus, meine eigene
Künstlerpersönlichkeit und einen individuellen Stil zu entwickeln, statt einfach ein
vorgegebenes Muster zu kopieren. Ein ganz besonderer Vertrauensbeweis und ein
unvergessliches Erlebnis war es für mich, als ich kürzlich sogar kurzfristig für ihn einspringen
durfte.
Ist das Liedersingen etwas Besonderes für dich oder planst du eher eine
Karriere im Theater? Welche Träume hast du für dein Leben?
Darius: Für mich schließen sich Bühne und Konzertsaal keineswegs aus; meine Leidenschaft gilt
der Oper, dem Konzert und dem Lied gleichermaßen, und auch das gemeinsame Singen im
Ensemble liegt mir am Herzen. Jedes dieser Genres fordert mich auf eine ganz eigene
Weise heraus. Mein größter Traum ist es schlichtweg, das, was ich von Herzen liebe und
was sich für mich ohnehin nicht wie Arbeit anfühlt, tagtäglich tun und zu meinem Beruf
machen zu dürfen. Das ist für mich das eigentliche Geschenk – ganz gleich, wie die
künstlerische Laufbahn im Detail verlaufen wird. Mir ist vor allem wichtig, mich vielseitig
aufzustellen und als Sänger stets neugierig zu bleiben.
Levi: Du planst in einer Mission zu gehen. Wird die Musik auch eine Rolle spielen
(Chöre bilden, Lieder singen, Klavier lehren?)
Levi: Genau, ich leiste ab Februar 2027 einen freiwilligen Missionsdienst von 2 Jahren für die
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich hoffe tatsächlich sehr, dass ich
während dieser Zeit auch musikalisch sehr aktiv sein und regelmäßig Konzerte geben darf.
Inwieweit das aber tatsächlich umsetzbar ist, ist immer eine individuelle Entscheidung, die
erst während der Mission getroffen werden kann. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass sichsolche Gelegenheiten ermöglichen. Die Musik soll auf jeden Fall auch nach der Mission
weiterhin einen entscheidenden Teil meines Lebens und auch meiner beruflichen Zukunft
ausmachen. Aus aktueller Sicht möchte ich zumindest sehr gern im Master Liedbegleitung
weiter studieren und auch die Tätigkeit als Klavierlehrer bzw. allgemein Musikpädagogik liegt
mir sehr am Herzen. Parallel werde ich aber auch versuchen, ein Studium im Fach
Gesundheitswissenschaften oder sogar Medizin zu absolvieren. Mein größter Wunsch für
die Zukunft ist tatsächlich, im Bereich Musikergesundheit/Musikermedizin sehr aktiv zu
werden.
Neben der Musik, welchen anderen Interessen gehst du mit Leidenschaft nach?
Darius: Als Sänger ist der eigene Körper das Instrument, weshalb mir körperliche Fitness enorm wichtig ist. Ich gehe regelmäßig laufen und mache Krafttraining, was mir nicht nur die nötige physische Ausdauer für lange Aufführungen verleiht, sondern auch den Kopf nach einem langen Proben- oder Konzerttag freimacht. Darüber hinaus lerne ich sehr gern
Fremdsprachen, was sich glücklicherweise als sehr nützlich in der Repertoirerarbeitung
erweist. Des weiteren bin ich für gutes Essen immer zu haben: Mit Freunden oder der
Familie gutes Essen bewusst zu zelebrieren, ist für mich der perfekte Ausgleich zum
Musikeralltag.
Levi: Ich stimme Darius voll und ganz zu, bei mir ist es auch vielerlei Sport! Sowohl Joggen,
Schwimmen, als auch Krafttraining. Genauso habe ich aber auch eine große Liebe für
jegliche Ballsportarten, ganz besonders Tischtennis. Weiterhin Kochen, Sprachen lernen,
Wandern, Natur genießen, Zeit mit Freunden und Familie. Brett-/Gesellschaftsspiele! - ganz
wichtig.
Welche Bücher, Filme, Bilder oder Museen haben dich in letzter Zeit beeindruckt?
Kannst du etwas empfehlen?
Levi: Ich gehöre zu den ganz seltenen Persönlichkeiten, die Filme und Serien tatsächlich so gut
wie gar nicht gern schauen. XD Auch bin ich in den bildenden Künsten nicht wirklich
bewandert, gleich wenn ich allergrößten Respekt und Bewunderung davor habe! Aber ein
Buch, das ich vor etwa sechs Monaten gelesen habe und mich seither immer wieder
beschäftigt hat, ist “Atlas of the Heart” von Brené Brown - eine sehr empfehlenswerte Autorin
generell, wenn es um Umgang mit eigenen Emotionen und Lebenserfahrungen bzw.
emotionale Intelligenz sowie zwischenmenschliche Verbundenheit geht. Genauso
empfehlenswert von ihr: “Gaben der Unvollkommenheit”.
Darius: Sehr beeindruckt hat mich das Buch «Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede» des
japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Obwohl es vordergründig um sein Training für
Marathonläufe geht, ist es im Kern eine Reflexion über Disziplin, Hingabe und den
schöpferischen Prozess. Man muss selbst nicht laufen, um seine Gedanken über
Beharrlichkeit und die Freude an der eigenen Entwicklung nachzuempfinden. Als Musiker
konnte ich mich in vielen seiner Beobachtungen über tägliche Routinen und mentale
Ausdauer unmittelbar wiederfinden.



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